Keyfindings IV-ZukunftsMonitor

IV-ZukunftsMonitor

Blick in die
Zukunft

Wie die Zukunftserwartungen der Menschen in Österreich im Detail aussehen, zeigt der IV-ZukunftsMonitor 2020 anhand von 23 Aspekten, die für Gesellschaft, Wirtschaft, Politik und Alltagsleben relevant sind (vgl. Abbildung 26). Sie formen ein Bild, das weitaus stärker von Pessimismus als von Optimismus geprägt wird.

Die sozialen Beziehungen, ein Lichtblick in trüben Aussichten

Es gibt nur einen einzigen Aspekt, bei dem die positiven Stimmen die 50-Prozent-Marke überschreiten: Stabilität der Beziehungen in Familie und Freundeskreis (51 %). Und gerade einmal bei drei Aspekten überwiegen die optimistischen die pessimistischen Stimmen: eben bei den sozialen Beziehungen (neg.: 22 %), bei der eigenen wirtschaftlichen Situation (pos.: 35 %, neg.: 31 %) und bei der gesundheitlichen Versorgung (pos.: 36 %, neg.: 30 %). Für alle anderen Aspekte sind die Erwartungen überwiegend pessimistisch, bei sechs Aspekten werden sogar von einer absoluten Mehrheit negative Entwicklungen vorhergesagt. Darunter sind drei, die Themenfelder betreffen, die weit über Österreichs Grenzen hinaus relevant sind: die funktionierende Zusammenarbeit der europäischen Länder (neg.: 50 %, pos.: 14 %), Umweltverschmutzung und Klimawandel (neg.: 58 %, pos.: 13 %) und die Veränderung der Gesellschaft durch Zuwanderung (neg.: 57 %, pos.: 13 %). Einmal ist die Digitalisierung angesprochen (Schutz der Privatsphäre und der persönlichen Daten in der digitalisierten Welt – neg.: 53 %, pos.: 12 %), einmal die Politik (Ehrlichkeit in der Politik – neg.: 68 %, pos.: 8 %) und einmal die persönliche Lebensqualität und damit gleichzeitig die größte private Sorge der Menschen in Österreich: dass in Zukunft leistbarer Wohnraum (noch) seltener werden könnte (neg.: 59 %, pos.: 11 %).

Die demographischen Merkmale enthüllen, wer überdurchschnittlich pessimistisch in die kommenden Jahre blickt: die sehr schlecht Qualifizierten, die nicht mehr als die Pflichtschule abgeschlossen haben, die Bezieherinnen und Bezieher niedrigster Haushaltseinkommen (< 1.600 netto monatlich), Menschen, die keiner Erwerbstätigkeit nachgehen (und nicht in Pension oder Ausbildung sind), sowie die Wählerinnen und Wähler der FPÖ. Die überdurchschnittlichen Optimisten haben einen Universitätsabschluss, ein sehr hohes Einkommen und wählen die ÖVP oder die Grünen. Der Bildungsstand und die finanzielle Ausstattung des Haushalts sind also in hohem Maß relevant dafür, ob man positiv oder negativ in die Zukunft blickt. Eine wichtige Rolle scheint auch zu spielen, ob die politische Partei, mit der man sympathisiert, gerade Regierungsverantwortung trägt. Weniger eindeutig ist der Einfluss des Alters: Zwar ist die Generation 70plus besonders optimistisch eingestellt und die unter 40-Jährigen meist pessimistisch, aber bei den Jüngeren variieren die Einschätzungen je nach abgefragtem Aspekt; insgesamt schauen die 30- bis 39-Jährigen aber öfter mit Skepsis in die nächsten Jahre als die ganz Jungen.

Abbildung 26: Zukunftsperspektiven

Das wirtschaftliche und das soziale Fundament erodieren

Die Zukunftserwartungen der Menschen in Österreich haben sich im Lauf des
vergangenen Jahres deutlich verschlechtert. Zwar wird die eigene
wirtschaftliche Situation des Haushalts (noch) halbwegs gut bewertet, die
Zahlen zeigen aber auch recht deutlich, wie stark das soziale und
wirtschaftliche Fundament zu erodieren begonnen hat. Das betrifft die Innovationskraft der österreichischen Unternehmen (Vergleich 2019 und 2020, negative Erwartung: 31 %; positive Erwartung: 28 %), den Erfolg der  sterreichischen Unternehmen in der globalisierten Welt (neg.:  32 %; pos.: 26 %), die wirtschaftlichen Chancen junger Menschen (neg.: 42 %; pos.: 16 %) und die Sicherheit der Arbeitsplätze (neg.:  42 %; pos.: 17 %) (vgl. Abbildung 26).

Dort, wo 2019 die Zukunftserwartungen am höchsten waren, wurden sie 2020 tendenziell am stärksten zurückgeschraubt. Die Menschen sehen ihre persönlichen Entfaltungsmöglichkeiten schwinden, in sozialer und ökonomischer Hinsicht. Das gilt für die Stabilität der Beziehungen in Familie und Freundeskreis (Vergleich 2019 und 2020, negative Erwartung: 22 %; positive Erwartung: 51 %) und die eigene wirtschaftliche Situation (neg.: 31 %; pos.: 35 %) (vgl. Abbildung 26).

Die Corona-Krise im Blickpunkt
Stehen der österreichischen Wirtschaft tiefgreifende Veränderungen bevor?
Dass die Corona-Krise eine nachhaltige Rezession bringt, darüber bestand in Österreich bereits im September 2020 (also vor dem zweiten Lockdown im Winter) große Einigkeit: Fast drei Viertel der Menschen waren der Ansicht, dass die Wirtschaft noch Jahre brauchen wird, um sich vom ökonomischen Schock zu erholen (74 %). Fast ebenso viele erwarteten neue Steuern und Abgaben, um die in der Krise gemachten Schulden abzubauen (70 %). Nur ein gutes Viertel konnte sich jedoch auch vorstellen, dass es notwendig sein würde, Unternehmen, die ums Überleben kämpfen, vollständig oder teilweise zu verstaatlichen (27 %). Immerhin sahen mehr als 50 Prozent auch eine neue Chance, nämlich, dass wichtige Güter wieder im Inland produziert werden könnten, um unabhängig zu bleiben (53 %).

Abbildung 27: Wirtschaftliche Veränderungen durch die Corona-Krise

Die Corona-Krise im Blickpunkt
Folgen der Pandemie für das Leben der Menschen gravierend
Die Menschen in Österreich fürchten mehrheitlich, dass es infolge der Covid-19-Pandemie für sie persönlich schwieriger sein wird, einen guten Arbeitsplatz zu finden (55 %). Sie gehen ebenfalls mehrheitlich davon aus, dass sie seltener Reisen ins Ausland unternehmen werden (52 %). Ein gutes Drittel möchte in Zukunft weniger konsumieren und bescheidener leben (36 %). Doch es gibt auch eine Gruppe von nennenswerter Größe, die sich weder beim Reisen noch beim Konsum einschränken möchte, und zwar rund ein Viertel der Befragten (vgl. Abbildung 28).

Abbildung 28:Auswirkungen der Krise auf die persönliche Situation

Die Gleichberechtigung von Frauen und Männern hat in Österreich eine hohe Wertigkeit: 51 Prozent halten sie für äußerst wichtig, gerade einmal drei Prozent für nicht wichtig (siehe auch Kap. 2.1.2). Es lässt aufmerken, wie sehr sich die Zukunftserwartungen bezüglich Gleichberechtigung seit dem letzten IV-ZukunftsMonitor verschlechtert haben. 2019 sagten 38 Prozent eine positive Entwicklung voraus, nun sind es nur noch 28 Prozent. Noch größer ist die Differenz bei den Pessimisten und Pessimistinnen, ihr Anteil ist von 21 auf 34 Prozent gestiegen. Schon im vergangenen Jahr waren die Männer zuversichtlicher als die Frauen, das hat sich erhalten und noch weiter verstärkt (Vergleich 2019 und 2020, negative Erwartung Männer: 18 ä 30 %; negative Erwartung Frauen: 23 ä 40 %). Frauen sind von der Mehrfachbelastung durch Home-Office, Homeschooling, Haushalt und Betreuungspflichten stärker betroffen als Männer und es bestehen durchaus Sorgen, in traditionelle Rollenbilder zurückzufallen.

Die Zukunftsprognosen sind bei jedem der abgefragten Aspekte negativer als im Jahr 2019. Neben den größten Einbrüchen, die eben beschrieben wurden, fallen noch drei weitere wegen ihres ebenfalls beträchtlichen Ausmaßes auf. Betroffen sind der Wohlstand in Österreich (Vergleich 2019 und 2020, negative Erwartung: 38 %; positive Erwartung: 22 %), die funktionierende Zusammenarbeit der europäischen Länder (neg.: 50 %; pos.: 14 %) sowie die Gewährleistung von unabhängigem Journalismus und Meinungsfreiheit (neg.: 42 %; pos.: 25 %). Eine im Vergleich zum Vorjahr relativ konstante Entwicklung lässt sich beobachten, was die Themen Umweltverschmutzung und Klimawandel (neg.: 58 %; pos.: 13 %) sowie Ehrlichkeit in der Politik (neg.: 68 %; pos.: 8 %) betrifft. Das sind allerdings auch jene Bereiche, bei denen die Zukunftserwartungen schon 2019 sehr gedämpft waren (vgl. Abbildung 26).

Zukünftige Entwicklung Österreichs

Abbildung 2: Zukünftige Entwicklung Österreichs

Dass die Resilienz der Bevölkerung allerdings trotz aller Verwerfungen groß ist, zeigt u.a., dass 43 Prozent der Menschen nach wie vor der Ansicht sind, dass sich unser Land in die richtige Richtung entwickelt (2019: 36 %). Hier ist Österreich nach der Politikkrise des letzten Jahres wieder besser auf Kurs (vgl. Abbildung 2). Auch was die eigene Lebenssituation betrifft, ist der Optimismus noch vorhanden: 36 Prozent gehen davon aus, dass sich ihre Lebenssituation in den kommenden drei Jahren verbessern wird, nur 16 Prozent sind gegenteiliger Ansicht (2019 – verbessern: 40 %, verschlechtern: 11 %), der große Rest vermag sich allerdings – wie bereits letztes Jahr – nicht eindeutig festzulegen (vgl. Abbildung 3). So hoffnungslos ist die Lage nicht, auch wenn Ungewissheit die prägende Charakteristik der österreichischen Zukunftsperspektiven bleibt und die Pandemie die Zunahme des Pessimismus befördert hat.

Abbildung 3: Lebenssituation in 3 Jahren
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