Keyfindings IV-ZukunftsMonitor

IV-ZukunftsMonitor

Keyfindings Politik

Wohin geht die Politik? Um diese Frage beantworten zu können, betrachten wir die Ergebnisse zweier Dimensionen des IV-ZukunftsMonitors genauer: Gesellschaftlicher Zusammenhalt und Lebensqualität. Die detaillierten Ergebnisse finden sich unter Themen.

Die wichtigsten Ergebnisse in Kurzform:

Politische Institutionen kämpfen mit hohem Vertrauensverlust

Die Politik in Österreich befindet sich in einer Vertrauenskrise, das macht ein Blick auf Abbildung 7 auf einen Blick klar: Bei Politische Parteien, Regierung und Parlament überwiegt die Zahl derer, die misstrauisch eingestellt sind. Es sei auch hier darauf hingewiesen, dass die Daten des IV-ZukunftsMonitors im Juli 2019 erhoben wurden: unmittelbar nach dem Bekanntwerden des Ibiza-Videos, dem Zerbrechen der Regierungskoalition inklusive Ausstieg der FPÖ, dem erfolgreichen Misstrauensantrag gegen die verbliebenen ÖVP-Regierungsmitglieder im Parlament und schließlich wenige Wochen vor vorgezogenen Neuwahlen.

Eine einzige politische Institution – und damit auch die Person, die sie derzeit verkörpert – ging gestärkt aus dieser schwierigen Situation hervor: Der Bundespräsident, Alexander van der Bellen, wurde für sein umsichtiges Agieren mit höherem Vertrauen belohnt und verschafft damit seinem Amt die mit Abstand besten Werte im Vergleich der politischen Institutionen: 46 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher vertrauen ihm, ein Viertel legt sich nicht fest und etwas mehr als ein Viertel ist ihm gegenüber misstrauisch. Sein Vertrauensstatus entspricht damit ungefähr jenem von Sozialpartnerinnen und Sozialpartnern oder Justiz & Gerichten (vgl. Kapitel 2.1.5). Das Vertrauen in den Bundespräsidenten wächst mit dem Alter der Befragten, ihrem Bildungsabschluss, der Höhe ihres Einkommens und ihrem sozioökonomischen Status.

Bezüglich aller anderen politischen Institutionen herrscht dringender Handlungsbedarf: Die Österreicherinnen und Österreichern vertrauen dem Parlament, ihrer gewählten Volksvertretung, gerade einmal zu 21 Prozent, der Europäischen Union (EU) zu 23 Prozent, der Regierung zu 17 Prozent und den politischen Parteien gar nur zu elf Prozent. Was aber vielleicht noch bedenklicher ist: Das ausdrückliche Misstrauen gegenüber all diesen Institutionen ist deutlich höher als das Vertrauen: 39 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher misstrauen dem Parlament, 42 Prozent der EU, 44 Prozent der Regierung und eine absolute Mehrheit von 54 Prozent den politischen Parteien. Gegenüber dem österreichischen Parlament, der EU und der Regierung zeigen sich vor allem die Bezieherinnen und Beziehern niedrigster Einkommen noch misstrauischer als der Durchschnitt. Anderseits genießen Parlament, EU und Regierung bei Personen mit Matura- oder Studienabschluss überdurchschnittliches Vertrauen.

Abbildung 7: Vertrauen in Institutionen

Umweltschutz wird zur Verteilungsfrage

Dass Klimawandel und Umweltprobleme tatsächlich existieren, steht für die Mehrheit der Österreicherinnen und Österreichern außer Zweifel (58 %), 21 Prozent glauben nicht daran, 19 Prozent haben sich keine eindeutige Meinung gebildet (Abbildung 12). Wer sehr gut verdient bzw. einen hohen Bildungsstand hat, schenkt den Umweltaktivistinnen und Umweltaktivisten eher Glauben als jene, die ein sehr niedriges Einkommen bzw. keine Matura haben (Einkommen hoch/niedrig: 66 %/51 %; Matura ja/nein: 63%/56 %, Akademikerinnen und Akademiker: 75 %). Bei der Altersgruppe 30minus ist die Überzeugung, dass Umweltprobleme und Klimawandel existieren, nicht ganz so gefestigt, wie es die Freitagsdemonstrationen nahelegen: Ihre Zustimmung liegt mit 52 Prozent unter dem Durchschnitt, der Anteil der Gruppe der Unentschlossenen darüber (26 %).

Eine noch deutlichere Mehrheit der Befragten, nämlich 64 Prozent, spricht dem Menschen das Recht ab, die Natur nach seinen Bedürfnissen frei zu gestalten. Nur 15 Prozent sind gegenteiliger Ansicht. Auch hier zeigen die Jüngsten eine überraschende Haltung: Lediglich 54 Prozent sprechen sich gegen ein Eingriffsrecht aus, 24 Prozent jedoch dafür.

Ganz anders sehen die Antworten aus, wenn es um einen individuellen (finanziellen) Beitrag geht, um Umweltverschmutzung zu verhindern bzw. den Klimawandel einzudämmen: Nur 30 Prozent wären bereit, für diese Ziele auf einen Teil ihres Einkommens zu verzichten; eine relative Mehrheit von 42 Prozent lehnt dies ab. Es sind vor allem jene, die nicht viel haben – und es sich daher auch nicht gut leisten können, etwas herzugeben – die den finanziellen Opfern für den Umweltschutz eine Absage erteilen: Menschen mit sehr niedrigem sozioökonomischem Status (47 %) und Niedrigstverdienerinnen und Niedrigstverdienern (46 %). Bei den Befragten mit sehr hohem Einkommen und dem besten sozioökonomischen Potenzial hingegen halten sich die Pro- und Contra-Gruppen fast die Waage. Dazu passt, dass unter den gut Gebildeten (und damit in der Regel auch besser Verdienenden) die Bereitschaft, einen finanziellen Beitrag zu leisten, besonders hoch ausgeprägt ist (mit Matura: 45 %, Akademikerninnen und Akademiker: 52 %, ohne Matura: 24 %).

Abbildung 12: Einstellungen zu Umweltschutz und Klimawandel

Migration in den Arbeitsmarkt wird pragmatisch gesehen

Beim Thema Zuwanderung legen die Österreicherinnen und Österreicher, soweit Wirtschaft und Arbeitsmarkt betroffen sind, eine pragmatische Haltung an den Tag; geht es aber um Kultur und Religion, zeigt sich, wie sehr das Thema polarisiert.

Asylwerberinnen und Asylwerber sollen während ihres Verfahrens arbeiten dürfen, finden 60 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher, 17 Prozent sind dagegen, das restliche Viertel ist unentschlossen oder trifft keine Aussage (Abbildung 13). Dieser eher positive Zugang wird vor allem getragen von …

  • den Frauen (64 %, Männer: 56 %),
  • den älteren Generationen 60pus und 70plus (67 bzw. 76 %, 30minus: 54 %),
  • den besser Gebildeten (mit Matura: 69 %, ohne Matura: 56 %) und
  • Personen mit Migrationshintergrund (65 %, kein Migrationshintergrund: 59 %).

Auch gegenüber – qualifizierter – Arbeitsmigration ist die Stimmung überwiegend freundlich. 53 Prozent meinen, der Zugang zum Arbeitsmarkt solle für Schlüssel- und Spitzenkräfte einfacher werden, 15 Prozent wollen dies nicht. Die Gruppe der Unentschiedenen und der Antwortverweigernden macht hier ein Drittel der Befragten aus. Die Österreicherinnen und Österreicher sind also in ihrem Urteil weniger sicher. Die expliziten Gegner*innen (gemessen an unterdurchschnittlicher Zustimmung)…

  • sind jung (30minus: 46 %, 70plus: 53 %)
  • haben keine Matura (47 %, mit Matura: 65 %)
  • haben einen sehr niedrigen sozioökonomischen Status (43 %, sehr hoher: 63 %) und
  • wohnen in ländlichen Gebieten (47 %, Wien: 54 %).

Die tendenziell wohlwollende Haltung im Zusammenhang mit Zuwanderung lässt nach, wenn es um staatliche Ausgaben für Integrationsmaßnahmen geht. Dass Österreich mehr öffentliche Investitionen in die sprachliche Förderung von Migrantinnen und Migranten brauche, denkt nur eine Minderheit von 42 Prozent. Mehr als ein Viertel der Befragten ist gegen derartige Aufwendungen. Am ehesten befürwortet werden sie von Befragten mit …

  • höherer Bildung (mit Matura: 54 %, ohne Matura: 38 %)
  • sehr hohem sozioökonomischen Status (54 %, sehr niedriger: 38 %) oder
  • Migrationshintergrund (47 %, kein Migrationshintergrund: 41 %).

 

Multikulturelles Zusammenleben wird ambivalent gesehen

Kommt Multikulturalität ins Spiel, überwiegen die ablehnenden Haltungen, wenn auch nur knapp. 37 Prozent der Österreicherinnen und Österreichern lehnen die Idee ab, dass kulturelle und religiöse Vielfalt positiv und für alle bereichernd sein könnte. 33 Prozent befürworten diese Aussage, 28 Prozent wollen sich nicht festlegen. Besonders skeptisch sind Personen mittleren Alters (40- bis 49-Jährige: 48 %, 30minus: 36 %, 70plus: 20 %), besonders befürwortend hingegen jene mit …

  • höherer Bildung (mit Matura: 46 %, ohne Matura: 29 %),
  • sehr hohem sozioökonomischen Status (38 %, sehr niedrig: 29 %) oder
  • Migrationshintergrund (40 %, ohne Migrationshintergrund: 31 %) und
  • die Wiener Bevölkerung (37 %, ländliche Gebiete: 29 %).
Abbildung 13: Einstellungen zu Migration

Was erwarten sich die Menschen in diesem Themenfeld von der Zukunft?

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