Globale Entwicklungen

Umweltschutz wird zur Verteilungsfrage

Dass Klimawandel und Umweltprobleme tatsächlich existieren, steht für die Mehrheit der Österreicher*innen außer Zweifel (58 %), 21 Prozent glauben nicht daran, 19 Prozent haben sich keine eindeutige Meinung gebildet (Abbildung 12). Wer sehr gut verdient bzw. einen hohen Bildungsstand hat, schenkt den Umweltaktivistinnen und Umweltaktivisten eher Glauben als jene, die ein sehr niedriges Einkommen bzw. keine Matura haben (Einkommen hoch/niedrig: 66 %/51 %; Matura ja/nein: 63%/56 %, Akademiker*innen: 75 %). Bei der Altersgruppe 30minus ist die Überzeugung, dass Umweltprobleme und Klimawandel existieren, nicht ganz so gefestigt, wie es die Freitagsdemonstrationen nahelegen: Ihre Zustimmung liegt mit 52 Prozent unter dem Durchschnitt, der Anteil der Gruppe der Unentschlossenen darüber (26 %).

Eine noch deutlichere Mehrheit der Befragten, nämlich 64 Prozent, spricht dem Menschen das Recht ab, die Natur nach seinen Bedürfnissen frei zu gestalten. Nur 15 Prozent sind gegenteiliger Ansicht. Auch hier zeigen die Jüngsten eine überraschende Haltung: Lediglich 54 Prozent sprechen sich gegen ein Eingriffsrecht aus, 24 Prozent jedoch dafür.

Ganz anders sehen die Antworten aus, wenn es um einen individuellen (finanziellen) Beitrag geht, um Umweltverschmutzung zu verhindern bzw. den Klimawandel einzudämmen: Nur 30 Prozent wären bereit, für diese Ziele auf einen Teil ihres Einkommens zu verzichten; eine relative Mehrheit von 42 Prozent lehnt dies ab. Es sind vor allem jene, die nicht viel haben – und es sich daher auch nicht gut leisten können, etwas herzugeben – die den finanziellen Opfern für den Umweltschutz eine Absage erteilen: Menschen mit sehr niedrigem sozioökonomischem Status (47 %) und Niedrigstverdienende (46 %). Bei den Befragten mit sehr hohem Einkommen und dem besten sozioökonomischen Potenzial hingegen halten sich die Pro- und Contra-Gruppen fast die Waage. Dazu passt, dass unter den gut Gebildeten (und damit in der Regel auch besser Verdienenden) die Bereitschaft, einen finanziellen Beitrag zu leisten, besonders hoch ausgeprägt ist (mit Matura: 45 %, Akademikern*innen: 52 %, ohne Matura: 24 %).

Abbildung 12: Einstellungen zu Umweltschutz und Klimawandel

Migration in den Arbeitsmarkt wird pragmatisch gesehen

Beim Thema Zuwanderung legen die Österreicherinnen und Österreichern, soweit Wirtschaft und Arbeitsmarkt betroffen sind, eine pragmatische Haltung an den Tag; geht es aber um Kultur und Religion, zeigt sich, wie sehr das Thema polarisiert. Asylwerberinnen und Asylwerbern sollen während ihres Verfahrens arbeiten dürfen, finden 60 Prozent der Österreicherinnen und Österreichern, 17 Prozent sind dagegen, das restliche Viertel ist unentschlossen oder trifft keine Aussage (Abbildung 13). Dieser eher positive Zugang wird vor allem getragen von …
  • den Frauen (64 %, Männer: 56 %),
  • den älteren Generationen 60plus und 70plus (67 bzw. 76 %, 30minus: 54 %),
  • den besser Gebildeten (mit Matura: 69 %, ohne Matura: 56 %) und
  • Personen mit Migrationshintergrund (65 %, kein Migrationshintergrund: 59 %).
Auch gegenüber – qualifizierter – Arbeitsmigration ist die Stimmung überwiegend freundlich. 53 Prozent meinen, der Zugang zum Arbeitsmarkt solle für Schlüssel- und Spitzenkräfte einfacher werden, 15 Prozent wollen dies nicht. Die Gruppe der Unentschiedenen und der Antwortverweigernden macht hier ein Drittel der Befragten aus. Die Österreicherinnen und Österreicher sind also in ihrem Urteil weniger sicher. Die expliziten Gegnerinnen und Gegnern (gemessen an unterdurchschnittlicher Zustimmung)…
  • sind jung (30minus: 46 %, 70plus: 53 %)
  • haben keine Matura (47 %, mit Matura: 65 %)
  • haben einen sehr niedrigen sozioökonomischen Status (43 %, sehr hoher: 63 %) und
  • wohnen in ländlichen Gebieten (47 %, Wien: 54 %).
Die tendenziell wohlwollende Haltung im Zusammenhang mit Zuwanderung lässt nach, wenn es um staatliche Ausgaben für Integrationsmaßnahmen geht. Dass Österreich mehr öffentliche Investitionen in die sprachliche Förderung von Migrantinnen und Migranten brauche, denkt nur eine Minderheit von 42 Prozent. Mehr als ein Viertel der Befragten ist gegen derartige Aufwendungen. Am ehesten befürwortet werden sie von Befragten mit …
  • höherer Bildung (mit Matura: 54 %, ohne Matura: 38 %)
  • sehr hohem sozioökonomischen Status (54 %, sehr niedriger: 38 %) oder
  • Migrationshintergrund (47 %, kein Migrationshintergrund: 41 %).

Multikulturelles Zusammenleben wird ambivalent gesehen

Kommt Multikulturalität ins Spiel, überwiegen die ablehnenden Haltungen, wenn auch nur knapp. 37 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher lehnen die Idee ab, dass kulturelle und religiöse Vielfalt positiv und für alle bereichernd sein könnte. 33 Prozent befürworten diese Aussage, 28 Prozent wollen sich nicht festlegen. Besonders skeptisch sind Personen mittleren Alters (40- bis 49-Jährige: 48 %, 30minus: 36 %, 70plus: 20 %), besonders befürwortend hingegen jene mit …

  • höherer Bildung (mit Matura: 46 %, ohne Matura: 29 %),
  • sehr hohem sozioökonomischen Status (38 %, sehr niedrig: 29 %) oder
  • Migrationshintergrund (40 %, ohne Migrationshintergrund: 31 %) und
  • die Wiener Bevölkerung (37 %, ländliche Gebiete: 29 %).
Abbildung 13: Einstellungen zu Migration

Globalisierung ist kein Schreckgespenst in Österreich

61 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher haben das Gefühl, von Globalisierung insofern zu profitieren, als ihre persönlichen Konsummöglichkeiten größer geworden sind (Abbildung 14). Nur sechs Prozent sind dezidiert gegenteiliger Ansicht. Ebenfalls ist die Mehrheit davon überzeugt, dass die Globalisierung die Chancen der österreichischen Unternehmen verbessere (54 %), was auch beim Blick in die Zukunft deutlich wird: Es überwiegt der Optimismus, dass die Unternehmen ihre Innovationskraft weiterhin entfalten und sich in der globalisierten Welt behaupten werden (vgl. Kapitel 2.5). Globalisierung wird aber nicht nur positiv gesehen: Eine relative Mehrheit von 44 Prozent meint, dass sie die Gefahr von Kriegen in der Welt erhöhen würde, nur 17 Prozent nehmen sie als Friedensbringerin wahr, und ein Drittel ist sich diesbezüglich nicht sicher.

Abbildung 14: Einstellungen zu Globalisierung

Besonders viele positive Antworten zur Globalisierung kamen von den höher Gebildeten (mindestens Maturaabschluss), sehr gut verdienenden und sozioökonomisch sehr gut gestellten Österreicherinnen und Österreichern. Dass diese Gruppen mehr von den erweiterten Konsum- oder Reisemöglichkeiten profitiert haben als die Bezieherinnen und Beziehern kleinster Einkommen oder als Personen mit niedrigstem sozioökonomischem Status, liegt auf der Hand: Wer wenig hat, kann wenig ausgeben – auch wenn sich das Angebot verbessert hat. Je älter die Befragten sind, desto eher nehmen sie die Globalisierung als Chance für die heimischen Unternehmen wahr. Und in einem Punkt weicht die Meinung der Jungen (30minus) deutlich von allen anderen ab: Sie sehen die Globalisierung deutlich seltener als Kriegstreiberin (34 %).

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