Innovationsfähigkeit

Fragezeichen über die Folgen der Digitalisierung

Dass eine Maschine ihre derzeitige Tätigkeit ersetzen könnte, ist ein guter Indikator für die Wahrnehmung von fortschreitender Digitalisierung in der Gesellschaft. Nahezu zwei Drittel der Menschen halten das in Österreich für unwahrscheinlich (65 %), doch im Vergleich zum Vorjahr hat die Sicherheit zu bröckeln begonnen (vgl. Abbildung 21). Damals waren noch 71 Prozent davon überzeugt, dass die Automatisierung für ihren Arbeitsplatz keine Gefährdung darstellt. 15 Prozent konnten oder wollten dies nicht beurteilen, inzwischen gilt das für 22 Prozent. An Sicherheit verloren haben vor allem: die niedrig Qualifizierten mit lediglich Pflichtschulabschluss (Ersetzen durch Maschine nicht wahrscheinlich:  45 %), Maturantinnen und Maturanten ohne weiterführende höhere Bildung (56 %), die Männer (62 %), die Generation 30minus (46 %), die 40- bis 49-Jährigen (66 %) und Menschen aus Haushalten mit gutem Einkommen (> 4.000 Euro: 74 %; 2.500-4.000 Euro netto monatlich: 64 %). Anders denken diesmal die Menschen mit den niedrigsten Einkommen: Sie fühlen sich sicherer als im vergangenen Jahr (59 %). Möglicherweise hat die Corona-Krise Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in schlecht bezahlten Jobs, z. B. im Handel oder in der Pflege mehr Selbstbewusstsein gegeben, wurden sie doch als unentbehrliche „Helden des Alltags“ gefeiert.

Abbildung 21: Einfluss der Digitalisierung auf Tätigkeit

Überhaupt ist die ohnehin schon hohe Unsicherheit über die zukünftigen Folgen der Digitalisierung (vgl. Abbildung 22) während des letzten Jahres weiter angewachsen, wobei sich die Befragten über die Auswirkungen auf das Arbeitsleben am sichersten waren: 41 Prozent erwarten hier positive Effekte, etwa gleich hoch ist der Anteil der unentschieden Abwartenden. Über die Folgen des digitalen Zeitalters auf ihre Freizeit und insbesondere ihr Familienleben können sich noch weniger Menschen ein Bild machen – und der Anteil der Ratlosen ist seit 2019 kräftig gestiegen (Freizeit: 40 ä 46 %; Familienleben: 45 ä 52 %).

 

Abbildung 22: Einfluss der Digitalisierung auf Arbeits- und Privatleben

Die Corona-Krise im Blickpunkt
Mehr Verkehr im Netz in der Krisenzeit
28 Prozent der Menschen in Österreich nutzen als Folge der Covid-19-Pandemie neue Technologien (wie Apps, Internet oder soziale Netzwerke) häufiger als zuvor, fast die Hälfte hat ihr Nutzungsverhalten nicht verändert (48 %). Dies kann Technologie-Verweigerung bedeuten, aber auch die Beibehaltung einer ohnehin regen Nutzung: Jedenfalls holen sich 55 Prozent der Befragten mehrmals pro Woche Informationen aus den sozialen Netzwerken, bei den unter 40-Jährigen sind es deutlich mehr (30minus: 72 %; 30-39-Jährige: 62 %).

Abbildung 23: Auswirkungen der Krise auf die persönliche Situation

Digitalisierung erleichtert Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Je näher beim Alltag die Fragestellungen angesiedelt sind, desto eher können (oder wollen) die Menschen die Folgen der Digitalisierung beurteilen und desto mehr Sicherheit zeigt sich in ihren Antworten. Die Mehrheit denkt, dass es in den nächsten drei Jahren einfacher werden wird, sich zu informieren und seine Meinung zu äußern (56 %), und dass es zu einer Zeitersparnis bei der Erledigung von Einkäufen, Behördenwegen und Postwegen kommen wird (58 %). Diese Einschätzungen sind gegenüber dem Vorjahr weitgehend konstant geblieben. Eines hat sich jedoch deutlich verändert: Die Menschen haben vermehrt den Eindruck gewonnen, dass die Vereinbarkeit von Berufs-, Familien- und Privatleben durch mobil-flexibles Arbeiten, wie es die Digitalisierung möglich macht, erleichtert wird (2019: 38 %; 2020: 50 %). Das Home-Office scheint überzeugt zu haben – die Männer nahezu ebenso wie die Frauen (m: 36 ä49 %; w: 39ä 51 %). 

Unverändert hoch sind aber die Bedenken, die die Menschen gegenüber der Digitalisierung auch haben: 70 Prozent befürchten, dass in den kommenden drei Jahren der Schutz der eigenen persönlichen Daten vor unberechtigtem Zugriff oder unberechtigter Weitergabe an Dritte immer schwieriger werden wird. 64 Prozent sagen voraus, dass die permanente digitale Erreichbarkeit zu höherer Arbeitsbelastung und zunehmendem Stress führen wird – interessant in diesem Zusammenhang ist, dass hier die Werte trotz ausgedehnter Erfahrungen mit Home-Office gegenüber dem Vorjahr stabil sind.

Abbildung 24: Auswirkungen der Digitalisierung auf Arbeit und Privatleben

Innovationsquelle Unternehmen

Unternehmertum hat unverändert hohen Stellenwert

Unternehmen schaffen Arbeitsplätze, davon sind drei Viertel der Menschen in Österreich überzeugt. Der hohe Stellenwert der österreichischen Unternehmen ist von der Corona-Krise unberührt geblieben, ebenso wie jener von Forschung, Entwicklung und Innovation, für die 70 Prozent mehr Förderung wünschen, da sie die Basis von neuen Technologien und Produkten seien. Und auch das gute Image der Industrie ist erhalten geblieben; sie wird von 60 Prozent der Menschen als Motor der österreichischen Gesamtwirtschaft gesehen.

Andererseits meint gerade einmal ein Drittel der Befragten, dass das wirtschaftliche und politische Klima im Land für Unternehmensgründungen günstig ist, 22 Prozent halten es für ungünstig. Es ist also wenig überraschend, dass für fast die Hälfte der Menschen in Österreich eine Karriere als Unternehmerin oder Unternehmer unattraktiv ist (48 %) und nur knapp ein Viertel der Idee einer selbstständigen Erwerbstätigkeit etwas abgewinnen kann (24 %).

Abbildung 25: Unternehmensgründungen und Innovation

Das wirtschaftliche und das soziale Fundament erodieren

Die Zukunftserwartungen der Menschen in Österreich haben sich im Lauf des vergangenen Jahres deutlich verschlechtert. Zwar wird die eigene wirtschaftliche Situation des Haushalts (noch) halbwegs gut bewertet, die Zahlen zeigen aber auch recht deutlich, wie stark das soziale und wirtschaftliche Fundament zu erodieren begonnen hat. Das betrifft die Innovationskraft der österreichischen Unternehmen (Vergleich 2019 und 2020, negative Erwartung: 15 ä 31 %; positive Erwartung: 37 æ 28 %), den Erfolg der österreichischen Unternehmen in der globalisierten Welt
(neg.: 18 ä 32 %; pos.: 37 æ 26 %), die wirtschaftlichen Chancen junger Menschen (neg.: 29 ä 42 %; pos.: 28 æ 16 %) und die Sicherheit der Arbeitsplätze (neg.: 29 ä 42 %; pos.: 27 æ 17 %) (vgl. Abbildung 26). 

Die Corona-Krise im Blickpunkt
Stehen der österreichischen Wirtschaft tiefgreifende Veränderungen bevor?

Dass die Corona-Krise eine nachhaltige Rezession bringt, darüber bestand in Österreich bereits im September 2020 (also vor dem zweiten Lockdown im Winter) große Einigkeit: Fast drei Viertel der Menschen waren der Ansicht, dass die Wirtschaft noch Jahre brauchen wird, um sich vom ökonomischen Schock zu erholen (74 %). Fast ebenso viele erwarteten neue Steuern und Abgaben, um die in der Krise gemachten Schulden abzubauen (70 %). Nur ein gutes Viertel konnte sich jedoch auch vorstellen, dass es notwendig sein würde, Unternehmen, die ums Überleben kämpfen, vollständig oder teilweise zu verstaatlichen (27 %). Immerhin sahen mehr als 50 Prozent auch eine neue Chance, nämlich, dass wichtige Güter wieder im Inland produziert werden könnten, um unabhängig zu bleiben (53 %).

Abbildung 27: Wirtschaftliche Veränderungen durch die Corona-Krise
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