Innovationsfähigkeit

Digitalisierung wird positiv wahrgenommen, macht aber viele unentschlossen

Die rasanten Entwicklungen im Bereich der Digitalisierung machen es vielen Menschen schwer, deren Folgen einzuschätzen: 35 Prozent der erwerbstätigen Befragten wollen oder können nicht bewerten, ob die Digitalisierung sich auf ihr Arbeitsleben positiv oder negativ auswirken wird und positionieren sich in der Mitte (Abbildung 15). Über die Folgen für ihre Freizeit sind sich 40 Prozent unsicher und über die Auswirkungen auf ihr Familienleben sogar 45 Prozent.

Abbildung 15: Auswirkung von Digitalisierung auf Lebensbereiche

Trotz dieser vielen Fragezeichen, die das Themenfeld Digitalisierung zu hinterlassen scheint, fällt das Urteil der Österreicherinnen und Österreicher durchaus differenziert aus. Sie schätzen die Folgen auf ihr Arbeitsleben deutlich positiver (46 %) ein als jene auf Freizeit (38 %) und vor allem Familienleben (29 %). Dazu passt, dass sich eine überraschend deutliche Mehrheit (71 %) keine Sorgen darüber macht, in Zukunft an ihrem Arbeitsplatz von Maschinen ersetzt zu werden (Abbildung 16). Einzelne Entwicklungen werden aber auch im beruflichen Kontext als eindeutig negativ empfunden: So sind 64 Prozent davon überzeugt, dass die permanente digitale Erreichbarkeit zu höherer Arbeitsbelastung und mehr Stress führen wird. Damit Hand in Hand geht eine gewisse Skepsis, ob ein mobil-flexibles Arbeiten, wie es die Digitalisierung prinzipiell ermöglicht, zu einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie führen wird.

Abbildung 16: Arbeitsplatzverlust durch Automatisierung
Abbildung 17: Positive Folgen von Digitalisierung

Es gibt eine Begleiterscheinung der Digitalisierung, über deren negativen Charakter besonders große Einigkeit besteht: Zu 69 Prozent befürchten die Befragten, dass der Schutz von persönlichen Daten vor unberechtigten Zugriffen bzw. vor der Weitergabe durch Dritte schwieriger wird; nur drei Prozent sehen diesbezüglich gar keine, weitere sechs Prozent eher keine Gefahr (Abbildung 18).

Abbildung 18: Negative Folgen von Digitalisierung

Auch im Detail zeigen die Daten, dass manche Österreicherinnen und Österreicher besser und andere schlechter beurteilen können, was Digitalisierung für die verschiedenen Lebensbereiche konkret bedeuten könnte. So haben z.B. Personen mit sehr geringem sozioökonomischem Status die Fragen zu den Digitalisierungsfolgen zu zwölf bis 22 Prozent nicht beantwortet. Eine derartig hohe und durchgängige Enthaltungsrate ist für die vorliegende Erhebung ungewöhnlich. Man kann also davon ausgehen, dass diese Gruppe der Digitalisierung tendenziell fernsteht. Vor diesem Hintergrund ist interessant, dass sie die Folgen der Digitalisierung auf ihr Berufsleben pessimistischer einschätzt als alle anderen Befragten (25 %, gesamt: 12 %); und dass sie es für wesentlich wahrscheinlicher als alle anderen hält, an ihrem Arbeitsplatz von einer Maschine ersetzt zu werden, nämlich zu 40 Prozent (gesamt: 13 %). Auf der anderen Seite befürchtet sie besonders selten, dass durch die digitale Erreichbarkeit mehr Arbeitsbelastung und Stress auf sie zukommt (55 %, gesamt: 64 %), und sorgt sich auch deutlich weniger um den Datenschutz (58 %, gesamt: 69 %). Dass sie sich bei Einkäufen, Behörden- oder Postwegen durch digitale Hilfsmittel Zeit ersparen könnte, kommt ihr deutlich unwahrscheinlicher vor als der Mehrheit (43 %, gesamt: 53 %)

Die Jungen denken anders, das zeigt sich beim Thema Digitalisierung mit besonderer Deutlichkeit. Die Generation 30minus, geboren als Digital Natives, steht den Folgen der Digitalisierung auf ihr zukünftiges Arbeitsleben, ihre Freizeit und ihr Familienleben deutlich positiver gegenüber als der Durchschnitt. Vor allem aber ist sie in ihrem Urteil prononcierter, das heißt – wohl aufgrund ihrer persönlichen Erfahrungen – sicherer. Das lässt sich daran ablesen, dass nicht nur die positiven, sondern auch die kritischen Stimmen (wenn auch in schwächerem Ausmaß) überdurchschnittlich häufig sind, und zwar ausschließlich in Bezug auf die Folgen für das Privatleben (also Freizeit und Familie). Was hingegen das Berufsleben anlangt, zeigt sich die Generation 30minus zuversichtlicher: Die Digitalisierung werde sich auf ihre Arbeit positiv auswirken, davon sind 57 Prozent der Jungen überzeugt. Dazu passt, dass sie auch eher daran glauben, dass mobil-flexibles Arbeiten die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtern wird (44 %, gesamt: 38 %).

Innovationsquelle Unternehmen

Weil sie Arbeitsplätze schaffen, spielen die heimischen Unternehmen für knapp drei Viertel der Österreicherinnen und Österreicher eine wichtige Rolle (Abbildung 19). Die Generationen 40minus denken prinzipiell auch so, allerdings nur zu knapp zwei Dritteln, wie übrigens auch Personen mit niedrigstem sozioökonomischem Status.

Mehr als die Hälfe der Befragten sieht in der Industrie den Motor der österreichischen Gesamtwirtschaft (55 %). Dies belegt, wie wichtig die Industrie den Österreicherinnen und Österreicher ist und außerdem, dass sie einen sehr guten Ruf hat. Und sie wird von allen Bevölkerungsgruppen geteilt, wenn auch nicht in gleichem Maß: Die Generationen 50plus schreiben der Industrie klar mehr Bedeutung zu als die Jüngeren. In der Altersgruppe 30minus sehen nur 42 Prozent die Industrie als Wirtschaftsmotor, in diese Richtung geht auch die Wahrnehmung in Wien (46 %) und bei Personen mit sehr hohem sozioökonomischem Status (48 %).

Das Urteil über die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen für Unternehmen hierzulande fällt hingegen nicht gut aus: Zwei Drittel fordern eine stärkere Förderung von Forschung, Entwicklung und Innovation, weil diese die Basis für neue Technologien und Produkte darstellten. Ein Drittel meint, dass das wirtschaftliche und politische Klima in Österreich für die Gründung neuer Unternehmen günstig sei, 22 Prozent halten es für ungünstig. Jedenfalls erscheint eine Karriere als Unternehmerin oder Unternehmer nur einem Viertel der Befragten wünschenswert, fast der Hälfte hingegen unattraktiv (47 %). Wobei die jüngsten Befragten (30minus) hier anders denken: Ein Drittel würde es reizen, beruflich selbstständig tätig zu sein, ein weiteres Drittel kann sich nicht vorstellen, in Zukunft unternehmerisch tätig zu sein.

Abbildung 19: Einstellungen zu Unternehmertum
Scroll to Top